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   Beitrag zur Selbstversorgung mit Blut und Plasma, Leistungen für die Transfusionsmedizin in Deutschland

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Beitrag zur Selbstversorgung mit Blut und Plasma und Leistungen für die Transfusionsmedizin in Deutschland

Die Arbeitsgemeinschaft der Ärzte staatlicher und kommunaler Bluttransfusionsdienste e.V. (StKB) vertritt 75 Blutspendedienste und transfusionsmedizinische Einrichtungen, darunter 31 universitäre Einrichtungen, die sowohl örtlich als auch organisatorisch in öffentlich-rechtlichen Krankenhäusern integriert sind. Wesentliches Kernstück der StKB ist eine streng bedarfsorientierte Herstellung von Blut und Blutprodukten verbunden mit einer rationellen, bedarfsgerechten Therapie mit Blutkomponenten im Sinne einer optimalen patientennahen Versorgung.

Die Leistungsfähigkeit klinikintegrierter Blutspendedienste (StKB) hängt entscheidend von einem registrierten Stamm an zuverlässigen DauerblutspenderInnen ab, die ihre Bereitschaft erklärt haben, bei Bedarf auch telefonisch kontaktiert werden zu dürfen und in kürzest möglicher Zeit zum Spenden zur Verfügung zu stehen. Die SpenderInnen sind hinsichtlich aller relevanten Antigene (seltene Blutgruppenmerkmale, HLA, Thrombozyten) typisiert und praktisch jederzeit verfügbar, ein Umstand, der gerade bei Notfällen, Katastrophen oder sonstigen Engpäßen von entscheidender Bedeutung ist. Wesentliches Kernstück der Organisationsstruktur der klinikintegrierten Blutspendeeinrichtungen (StKB) ist die unmittelbare Kopplung der Herstellung von Blut und Blutprodukten mit der patientenbezogenen bedarfsgerechten Versorgung: Herstellung, prätransfusionelle Diagnostik und transfusionsmedizinische Beratung der Klinikärzte erfolgen durch das gleiche Fachpersonal im 24-Stunden Dienstleistungsbetrieb. Dies beinhaltet neben einer rationellen bedarfsgerechten Hämotherapie mit Blutprodukten im Sinne einer optimalen Patientenversorgung auch die Möglichkeit der flexiblen Reaktion auf Notfälle und Engpässe, die Verhütung vorhersehbarer Engpässe sowie die Minimierung der Verfallsquoten von Blutkonserven, die in vielen Krankenhäusern ohne eigene Blutspendeeinrichtung die zum Teil unerträgliche Größenordnung von 20 % und mehr erreichen.

Jährlich werden von den klinikintegrierten staatlich-kommunalen Blutspendediensten (StKB) von über 450.000 BlutspenderInnen ca. 1.400.000 Blutspenden entnommen, davon 950.000 Vollblutspenden, 300.000 Plasmaspenden (mittels maschineller Apherese) und 150.000 Thrombozytenspenden (mittels maschineller Apherese). Daraus werden ca. 2.500.000 Blutkomponenten hergestellt und als 950.000 Erythrozytenkonzentrate, 345.000 Thrombozytenkonzentrate sowie 150.000 Liter gefrorenes Frischplasma für die therapeutische Anwendung bei Patienten zur Verfügung gestellt. Für die pharmazeutische Herstellung von Spezialpräparaten haben die klinikintegrierten staatlich-kommunalen Blutspendedienste 220.000 Liter Sourceplasma geliefert.

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der klinikintegrierten transfusionsmedizinischen Einrichtungen sind regelmäßige transfusionsmedizinisch-hämostaseologische Konsiliartätigkeit, die Durchführung von Eigenblutspenden, extrakorporale Photopheresen, therapeutischen Hämapheresen wie Leukapheresen, Plasmapheresen oder Thrombozytapheresen, sowie die Gewinnung von peripheren Blutstammzellen zur Stammzelltransplantation bei hämatologischen Erkrankungen. Entsprechend ihrer Herkunft hat die Transfusionsmedizin mit einer Reihe von klinischen Fachdisziplinen enge Verbindungen, so daß gemeinsame Aufgaben entdeckt und viele klinische Fragestellungen auch durch eine gut funktionierende, auch hämostaseologische Konsiliartätigkeit gelöst werden können, wenn die Fachdisziplinen sich als Ergänzungen verstehen und durch gegenseitige Anregungen, die bereits an vielen Stellen bestehende traditionsreiche und gute Zusammenarbeit vertiefen.

Die klinikintegrierten transfusionsmedizinischen Einrichtungen sind maßgeblich an der Etablierung, Weiterentwicklung und Überprüfung der Umsetzung eines Qualitätssicherungssystems beteiligt, das in Einrichtungen der Krankenversorgung, die Blutprodukte anwenden, bis 31.12.2001 eingerichtet wurde und fortlaufend nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft und Technik weiterentwickelt werden muß, und tragen damit entscheidend zur Qualitätssicherung der Hämotherapie mit bei. Qualitätsgesicherte Hämotherapie, therapeutische Hämapheresen, Hämovigilanz oder „Tissue engineering“ sind ohne eine klinikintegrierte transfusionsmedizinische Einrichtung nur schwer denkbar.

Im Hinblick auf all diese Gesichtspunkte ist es daher nicht nur wünschenswert, sondern unabdingbar notwendig, die Transfusionsmedizin als eigenständige Fachdisziplin mit eigenen diagnostischen und therapeutischen Methoden und ebenso eigenständigem Weiterbildungsgang anzuerkennen. Ziel der Bemühungen beim jetzigen Stand muß es daher sein, Bestehendes nicht nur zu sichern, sondern auch zukünftig zu fördern, nur dann kann die Kontinuität der optimalen krankenhausnahen, individuellen Patientenversorgung sowie die klinisch wissenschaftliche Arbeit auf diesem Gebiet gewährleistet und gut ausgebildeten und erfahrenen klinischen Transfusionsmedizinern die Möglichkeit einer langfristigen Planung ihrer Arbeit gegeben werden. Alle verantwortlichen Träger der Krankenanstalten sowie die politisch Verantwortlichen sind daher aufgerufen, sich für die Realisierung einzusetzen und sich davor zu hüten, gut funktionierende Einrichtungen aufzulösen, um an anderen Stellen Minimalabteilungen anzusiedeln, die nicht einmal das diagnostische, geschweige denn das umfangreiche therapeutische Spektrum einer modernen transfusionsmedizinischen Einrichtung anbieten können.

Die allgemein gesundheitspolitische und klinische Relevanz des Faches Transfusionsmedizin hat bereits 1982 die Ärzte der staatlichen und kommunalen Bluttransfusionsdienste veranlaßt, gemeinsam mit der DGTI bei der Bundesärztekammer bzw. bei den jeweiligen Landesärztekammern den Antrag auf Einführung der Gebietsbezeichnung Transfusionsmedizin zu stellen und einen entsprechend detaillierten Weiterbildungskatalog vorzulegen, da die Transfusionsmedizin, trotz Verknüpfungen und Zuflüssen aus verschiedenen anderen Fachgebieten, nicht als Mixtur oder Summierung heterogener Teilgebiete aufgefaßt werden kann, sondern vielmehr ein Gebiet darstellt, das alle diese Einflüsse auf die spezifischen Bedürfnisse hin integriert und strukturiert hat und dessen Beherrschung nicht "nebenbei" im Verlauf einer anderen Fachausbildung erworben werden kann, sondern das eine, seiner Struktur gemäß, differenzierte Weiterbildung zwingend macht. Die gemeinsamen Anstrengungen von StKB und DGTI haben die Einführung des Fachgebiets Transfusionsmedizin ermöglicht.

"Die beschriebene dezentrale Struktur des Blutspendewesens (Anm.: Blutspendedienste des DRK und der StKB) stellt die notwendige Logistik für den Fall sicher, dass mehrere Terroranschläge gleichzeitig an verschiedenen Stellen in Deutschland durchgeführt werden. Aber auch im Falle eines zentralen Anschlages könnte die Versorgung aufgrund der gegebenen verkehrlichen Infrastruktur problemlos gewährleistet werden“ (Bericht zur Bevorratung von Blutprodukten und Materialien zur Herstellung von Blutprodukten im Krisen- und Katastrophenfall, BMGS 2003).